Der Moment, in dem ein Bild kippt…

Manchmal gibt es Bilder, bei denen einfach nichts mehr geht.
„Memories“ war so ein Bild. Ich wollte ursprünglich ein Querformat mit einem leicht landschaftlichen Charakter malen. Doch irgendwann war ich festgefahren. So richtig.
Normalerweise hilft mir dann ein Perspektivwechsel. Ich hänge eine unfertige Arbeit an die gegenüberliegende Wand meines Ateliers und betrachte sie immer wieder aus meinem Sitzplatz heraus. So entsteht eine Art stiller Dialog zwischen mir und dem Bild.
Bei „Memories“ half auch das nichts.
Schließlich packte ich die Arbeit weg. Für etwa drei Vierteljahr.
Dann stand eine Ausstellung bevor und mir fehlten noch Bilder. Also durchsuchte ich mein Lager. Dabei stellte ich „Memories“ – ohne weiter darüber nachzudenken – hochkant auf.
Ein paar Minuten später sah ich das Bild wieder.
Und plötzlich war alles klar.
Die Arbeit, die ursprünglich als Querformat gedacht war, hatte ihre eigentliche Form gefunden. Ich konnte weitermalen – und „Memories“ wurde eines meiner Lieblingsbilder.
Vielleicht war das Bild nie wirklich festgefahren. Vielleicht war es nur aus der falschen Perspektive betrachtet worden.
Der Titel „Memories“ erinnert an etwas, das nicht sein kann – und gerade deshalb seinen Platz in der Erinnerung gefunden hat.